Spielabbruch bei C-Junioren: Entscheidung steht noch aus

In C-Junioren by WLZ Sport

Abbruch statt Meisterfeier: Für die C-Junioren des TSV Korbach hängt das Happy End der Saison von einem Sportgerichtsurteil ab.

Da war noch alles in Ordnung: Phil Oberding (TSV Korbach) läuft dem Gudensberger Leo Kastl davon. Kurz darauf erfolgte der Abbruch. © Richard Kasiewicz

Korbach – Verlieren die Hansestädter die Meisterschaft in der Gruppenliga am Grünen Tisch? Unwahrscheinlich, aber nicht ganz ausgeschlossen. Anlass: Der Schiedsrichter hat das letzte Saisonspiel der Mannschaft von Trainer Siegfried Grawitschky am Samstag in Gudensberg in der 61. Minute abgebrochen. Der TSV führte zu diesem Zeitpunkt, neun Minuten vor Schluss, mit 4:0.

Nach Darstellung von Korbacher Seite brachte der Protest eines ihrer Betreuer wegen eines Einwurfs die Sache ins Rollen. Der Unparteiische habe ihm dafür die Gelbe Karte gezeigt, was der Mann mit einem abwertenden Lachen quittiert habe. Die Konsequenz: Gelb-Rot, der Betreuer musste den Platz verlassen. Im Weggehen habe er sich jedoch zu einer Beleidigung hinreißen lassen.

Korbacher weisen Vorwurf zurück

Kurz darauf habe der Schiedsrichter die Partie abgebrochen – offenbar, weil er neben dem Kraftwort auch noch eine Bedrohung („wir sehen uns nach dem Spiel“) gehört haben wollte. Diesen Vorwurf weisen die Korbacher entschieden zurück. „Von einer angedrohten Tätlichkeit kann keine Rede sein, das ist im Schiedsrichter-Bericht falsch wiedergegeben worden“, sagte TSV-Jugendleiter Albrecht Will, der selbst an Ort und Stelle war.

Die Beleidigung war unstrittig, für Will aber kein Grund zum Spielabbruch. Ganz im Gegenteil habe der Schiedsrichter voreilig gehandelt und nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um die Begegnung fortzusetzen.

Die Eskalationskette bei Spielstörungen

Die denkbaren Maßnahmen hat der Verbandsschiedsrichterausschuss in einem Merkblatt definiert. Die sogenannte Eskalationskette sieht zunächst eine Spielunterbrechung vor. Der „fehlbare Verein“ muss dann die Gelegenheit bekommen, die Störung abzustellen. Lautsprecherdurchsagen und der zeitweilige Rückzug der Teams in die Kabinen sind weitere Mittel. Am Ende kann der Unparteiische dem Kapitän eine Frist setzen, in der er tätig werden muss. Wenn diese erfolglos verstrichen ist, kann er abbrechen.

„Es ist wichtig, dass Vereine – gerade bei von wenigen Personen verursachten Auffälligkeiten – die Möglichkeit erhalten, gegen die Missstände vorzugehen“, heißt es im Merkblatt. Dort steht aber auch: Angriffe gegen den Referee oder neutrale Assistenten führten ohne jede Androhung zwingend zum Abbruch.

Urteil kann erst nach Frist von vier Tagen ausgesprochen werden

Die Angelegenheit ist bereits bei Karsten Hartmann, dem Vorsitzenden des Regionalen Sportgerichts, gelandet. Er hat die Beteiligten zur Stellungnahme aufgefordert. Ihre Darlegungen und der Bericht des Schiedsrichters bilden die Grundlage für ein Urteil, das frühestens nach einer Frist von vier Tagen gesprochen werden kann.

Entscheidend für die Korbacher ist die Frage, ob Hartmann einen schuldhaften Spielabbruch durch den Verein erkennt. In dem Fall könnte die Partie vom Samstag gegen die Mannschaft gewertet oder auch neu angesetzt werden. Hartmann erkennt dafür aber nach einer ersten Bewertung kaum eine Grundlage. „Mit dem Spielabbruch sieht es sehr dünne aus“, sagte er auf Anfrage.

Betreuer droht eine Sperre

Der Kasseler strebt ein Urteil im schriftlichen Verfahren an. Wann es vorliegt, ließ er offen. Er müsse erst die Stellungnahmen abwarten. Die Korbacher hoffen, dass sie mit einer Geldstrafe davonkommen; Dem Betreuer droht wohl eine Sperre. Beides könnte empfindlich ausfallen.

Hartmann musste zuletzt nach dem Hinrunden-Spiel des TSV in Felsberg schon einmal tätig werden, weil derselbe Unparteiische wie jetzt mit Korbachern aneinandergeraten war. Die Details wisse er nicht mehr genau, sagte Hartmann. Offenbar hätten aber Schiedsrichter und Betreuer „ein Kommunikationsproblem“.

Für die Beleidigung in Gudensberg hatte sich Trainer Grawitschky noch auf dem Platz beim Unparteiischen entschuldigt. Zumindest Augenzeuge des Geschehens war auch der Edertaler Joachim Schmolt, der als stellvertretender Klassenleiter Korbachs C-Junioren im Falle der Meisterschaft ehren wollte. Die bis dahin erzielten Treffer von Levin Sonnenberg und Elias Koch (2) sowie ein Eigentor hätten zum Titelgewinn gereicht.