Jugendfußball: Neue Saison startet, wieder sind weniger Kinder und Jugendliche dabei

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Beschleunigte Talfahrt

Von Gerhard Menkel

Korbach. Till hat keine Lust mehr. Fußball? Nö, erst mal nicht. Lieber Parcour, vielleicht einen Kampfsport dazu. Es gibt überall Tills, Jungs, die aussteigen. Warum auch immer. Es ist eine Sache, sie am Ball zu halten. Die andere, folgenreichere: Immer mehr Jungs, von den Mädchen zu schweigen, kriegen die Clubs erst gar nicht zum Fußball. „Den Vereinen gelingt es wirklich nicht mehr, die Kinder aus ihrem Zimmer herauszuholen“, sagt Joachim Schmolt,

Schmolt ist Waldecks Kreisjugendfußballwart. Seit 20 Jahren. Seither redet er mehr oder weniger an gegen den Niedergang. Den Satz mit den Stubenhockern hat er schon oft gesagt. Es ändert sich nichts. Die Talfahrt scheint sich zu beschleunigen.

Von der alten auf die neue Saison, die am Wochenende startet, sind 15 Jugendmannschaften verschwunden, 13 bei den Jungs, zwei bei den Mädchen. Der stärkste Rückgang seit vier Jahren. Noch deutlicher sichtbar wird die Entwicklung im Zehn-Jahres-Vergleich – um genau einhundert ist die Zahl der Teams seit 2007 zurückgegangen, von damals 212 auf heute 112. „Wahnsinn“, sagt Schmolt.

Die Eltern

Einen Anteil am frischen Minus haben neue Zusammenschlüsse. Die JSG Edertal und die JSG Friedrichstein kooperieren bei A- und B-Jugend (siehe auch Text unten), der TuSpo Mengeringhausen und der VfR Volkmarsen, zuletzt noch solo, stellen gemeinsam Teams auf die Beine, und – ein weiteres Beispiel – der TuS Bad Arolsen gründete mit dem TSV Landau eine JSG.

Dass der Spielbetrieb die größten Verluste bei Bambini und F-Junioren schreibt (28 statt 36), stützt die These Schmolts, nach der vielen Kindern die Affinität zum Fußball abhandengekommen ist. Das führt er vor allem auf das Elternvorbild zurück. „Früher waren die Eltern immer zum Fußball auf dem Sportplatz (weil die Väter, zum Beispiel, spielten) und haben ihre Kinder mitgenommen. Man sieht sie immer weniger“, sagt er.

Von der Behauptung, vor allem der Geburtenrückgang sei schuld, hält Schmolt wenig. Sicher, der demografische Wandel sei Fakt. Schmolt interpretiert ihn aber umfassender: als gesellschaftlichen Veränderungsprozess. „Es ist ein Problem mit dem Image des Fußballs“, sagt er.

Die Vereine

Auch die Vereinsarbeit selber hat so ihre Defizite. So schwer es Schmolt fällt, den Engagierten Vorwürfe zu machen, so sehr beschreibt er diverse Unterlassungssünden. „Oft fehlt die Bereitschaft, gerade bei Bambini und F-Jugend sich zu bemühen. Da schreiben sie lieber einen Antrag auf Zweitspielrecht, als noch weitere Kinder herbeizuholen.“

Die Angebote

Für ausbaufähig hält Schmolt die Bereitschaft von Jugend- oder Übungsleitern sich weiterzubilden. „Die Landesverbände geben genug Möglichkeiten für Qualifizierungshilfen an die Hand, um sich auf neue Gegebenheiten einzustellen. Aber die Angebote werden zu wenig angenommen.“ Leider seien, nicht nur bei diesem Thema, Trainer und Betreuer im Verein zu oft auf sich allein gestellt.
Die Bereitschaft zum Input an neuen Ideen gehört für Schmolt dazu. „Wer das macht, geht mit einem anderen Empfinden nach Hause und macht sich ganz andere Gedanken über Jugendkonzeption.“ Nicht neu, aber aktuell, ist sein Appell, mit Schulen und Kindergärten zu kooperieren. Das Angebot müsse nicht nur Fußball sein, „das kann auch Breitensport sein“.

Die Aussichten

Nun hat der Schwund nicht nur schlechte Seiten. Womöglich liquidiert er demnächst die Probleme, die aus dem Zuwenig an Schiedsrichtern entstehen. Schmolt nennt einen weiteren Aspekt: „Der Spielbetrieb lässt sich immer leichter organisieren.“ Nur, dass es dann demnächst eine Groß-Kreisliga braucht. Das ist aber ein anderes Thema.

Die Jugendteams

Gruppenliga

A-Junioren: JSG Rhena/Lelbach/Meineringhausen, JSG Mengeringhausen/Volkmarsen
B-, C- und D-Junioren: jeweils TSV Korbach.

Kreisliga/-klasse

A-Junioren (9 Teams): JSG Edersee, JSG Waldeck, TSV Korbach, TSV Goddelsheim, TuS Bad Arolsen, JSG Mengeringhausen/Volkmarsen II, JSG Edertal/Friedrichstein, JSG Diemelsee/Upland; JSG Eder Frankenberg.

B-Junioren (10): JSG Rhena/Lelbach/Meineringhausen, JSG Edersee, JSG Waldeck, TSV Korbach II, TSV Odershausen, JSG Bad Arolsen/Landau, TuSpo Mengeringhausen JSG Edertal/Friedrichstein, JSG Diemelsee/Upland, VfR Volkmarsen.

C-Junioren (11): JSG Edersee, JSG Waldeck I und II, TSV Korbach II JSG Bad Arolsen/Landau, TuSpo Mengeringhausen, JSG Friedrichstein I, JSG Friedrichstein (9) II, JSG Edertal JSG Diemelsee/Upland, VfR Volkmarsen.

D-Junioren, Kreisliga (10): JSG Edersee I, JSG Waldeck I, TSV Korbach II, JSG Bad Arolsen/Landau, JSG Mengeringhausen./Berndorf I, JSG Friedrichstein I, JSG Edertal, JSG Upland, JSG Adorf/Vasbeck, VfR Volkmarsen I.

Kreisklasse (9): JSG Edersee II und III, JSG Waldeck II, TSV Korbach III, JSG Lichtenfels, TSV Odershausen, JSG Mengeringhausen./Berndorf II, JSG Friedrichstein II, VfR Volkmarsen II.

E-Junioren (24) – Qualifikation, Gruppe 1: JSG Upland, TSV Korbach I, II und III, JSG Adorf/Vasbeck I und II; Gruppe 2: Blau-Gelb Korbach, JSG Rhena/Lelbach/Meineringhausen I und II, TSV Berndorf, JSG Lichtenfels I und II; Gruppe 3: JSG Bad Arolsen/Landau, TuSpo Mengeringhausen I und II, VfR Volkmarsen I und II, TSV Landau (D-Juniorinnen); Gruppe 4: JSG Edersee I und II, JSG Waldeck, JSG Friedrichstein I und II, SG Edertal.

Die Kreisliga spielt anschließend mit acht Mannschaften; 1. und 2. Kreisklasse mit acht bzw. sieben Mannschaften. Nach der Qualifikation spielen die Kreisklassen nach den FairPlay-Liga-Regeln.

F-Junioren (17) – Kreisklasse, Gruppe 1:JSG Waldeck, TSV Korbach I und II, JSG Friedrichstein I und II, JSG Edertal; Gruppe 2: Blau-Gelb Korbach, JSG Rhena/Lelbach./Meineringhausen, JSG Upland, JSG Edersee I und II, JSG Lichtenfels; Gruppe 3: JSG Bad Arolsen/Landau, TuSpo Mengeringhausen I und II, JSG Adorf/Vasbeck, VfR Volkmarsen.

G-Junioren (11): Blau-Gelb Korbach, JSG Upland, TSV Berndorf, TSV Korbach, JSG Lichtenfels, TuS Bad Arolsen, TuSpo Mengeringhausen, TV Friedrichstein, JSG Edertal, JSG Adorf/Vasbeck, VfR Volkmarsen.

B-Juniorinnen (4:) SV Anraff, JSG Edersee, JSG Flechtdorf, TSV Landau; C-Juniorinnen (2): JSG Edersee, JSG Flechtdorf, TSV Landau; D-Juniorinnen (2): TSV Landau, JSG Edersee (nur Waldecker Pokal).

Spielfeld

In Köpfe investieren

Von Gerhard Menkel

In Waldeck-Frankenberg sind am Dienstag 1300 Kinder eingeschult worden, vor fünf Jahren waren es 1380 Mädchen und Jungen. Das ist ein Rückgang von knapp sechs Prozent. Im Fußballkreis Waldeck meldeten die Vereine zur Saison 2012/13 170 Nachwuchsteams, zur neuen Spielzeit 112. Das ist ein Minus von rund 34 Prozent. Es ist zwar problematisch, beide Größen miteinander in Beziehung zu setzen, sie stützen aber doch eine Annahme: Der beschleunigte Schwund an Jungspunden am Ball ist nicht in erster Linie der sinkenden Geburtenrate geschuldet. Aktuell möglicherweise sogar am allerwenigsten.

Denn die Vereine haben dramatisch gerade in jener Altersgruppe der G- und F-Junioren verloren, die vom Alter her den Erstklässlern entsprechen. Was passiert da? Die Fußballclubs graben sich das Wasser ab, das für ihren Bestand lebensnotwenig ist. Sie tun das nicht vorsätzlich, nicht mal grob fahrlässig. Die Ursachen sind vielfältig, sie unterliegen nicht immer dem Einfluss der Vereine.

Oft genug fehlen schlicht die personellen Ressourcen für die Arbeit mit und das Werben um den Nachwuchs. Dabei, diese Erkenntnis ist alt, hängen Wachstum oder Erhalt des Status quo vor allem an Personen. An Angeboten sie zu qualifizieren mangelt es nicht. Ist es aber nicht auch an der Zeit, dass die Gelder, die in die Infrastruktur des Sports fließen, verstärkt in den Faktor Mensch fließen? Fatalerweise sind die Förderrichtlinien, die an Investition in Sportstätten und Kauf von Geräten ausgerichteten sind, noch arg im Gestern verhaftet.

gerhard.menkel@wlz-online.de

Quelle

WLZ Sport

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Die Waldeckische Landeszeitung ist die Heimatzeitung des TSV/FC Korbach und unterstützt den Verein seit vielen Jahren u. a. mit redaktionellen Beiträgen und Spielberichten. Redakteure: Gerhard Menkel, Manfred Niemeier, Armin Hennig u.a.

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