Christoph Osterhold (c) Artur Worobiow

„Noch ist die Sache nicht durch“

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Christoph Osterhold über Korbachs drohenden Abstieg, haarsträubende Fehler und die eigene Zukunft

Von Gerhard Menkel
Foto: Artur Worobiow

Korbach. Christoph Osterhold ist einer der besten Fußballer seiner Generation in Nordhessen. Beim TSV/FC Korbach erwarb er sich den Status einer „Lebensversicherung“ für die Verbandsliga Nord. Er allein kann es freilich nicht richten. Trotz der 22 Treffer des mittlerweile 33 Jahre alten Torjägers stehen die Kreisstädter vor dem zweiten Abstieg innerhalb von drei Jahren.

Osterhold, der als Informatikkaufmann in Kassel arbeitet, hat den Klassenerhalt noch nicht abgeschrieben, wie er im Interview sagt. Ein neuerlicher Aufschlag der Mannschaft in der Gruppenliga wäre für ihn aber nicht nur schlecht.

Der Abstieg sei jetzt nur noch rechnerisch zu verhindern, schreibt Martin Rinne aus dem Abteilungsvorstand auf der Homepage des TSV/FC, das heißt: eigentlich nicht mehr. Rechnet ihr Spieler noch?
Christoph Osterhold: Ja, solange die Sache nicht durch ist. Ich persönliche glaube auf jeden Fall noch an den Klassenerhalt.

40 Punkte? Diesmal nicht


Es stehen nur noch sechs Spiele aus. 40 Punkte, die immer als Zielgröße für den Klassenerhalt in der Liga gelten, sind gar nicht mehr erreichbar.
Osterhold: Das ist richtig. Ich glaube zwar, dass man in diesem Jahr keine 40 Punkte braucht, aber so oder so wird es natürlich ganz eng.


Beim Blick auf die Tabelle stechen zwei Dinge heraus: nur ein Auswärtspunkt und 91 Gegentore. Haben Sie eine Erklärung für die Korbacher Auswärtsschwäche?
Osterhold: Vielleicht spielen wir auswärts manchmal zu ängstlich. Auf jeden Fall machen wir teilweise haarsträubende individuelle Fehler und verteidigen oft als Mannschaft ganz schlecht.

Kann das eine Folge fehlender Einstellung sein?
Osterhold: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Das merkt man auch im Training, da geben alle ganz gut Gas. Es sind eben oft die teilweise schlimmen individuellen Fehler, die man nicht verteidigen kann. Wir kriegen ein dummes Tor, dann ist die Mannschaft gleich ziemlich verunsichert und kriegt meistens sofort das zweite.

Martin Rinne hat wegen der vielen Gegentore die Vermutung angestellt, die Korbacher Abwehr sei in ihrem Aufstiegsjahr in der Gruppenliga nicht genug gefordert worden und zahle jetzt Lehrgeld. Hat er recht?
Osterhold: Der Unterschied zwischen den beiden Ligen ist schon enorm, und wir sind natürlich defensiv viel mehr gefordert. Ich glaube aber nicht, dass das die einzige Erklärung ist. Allgemein kriegen wir das Verteidigen nicht richtig auf die Kette. Das muss besser werden.

Die Mannschaft hat ja gezeigt, dass sie es kann. Ich erinnere an die Siege gegen Lehnerz II oder Bad Soden. Auf der anderen Seite kriegt sie dann acht Tore gegen Rothwesten oder jetzt sieben in Eschwege.
Osterhold: Das Auf und Ab ist sehr schwer zu erklären. In den guten Spielen haben wir als Team sehr gut gearbeitet und man hat keine individuellen Fehler gesehen. Zu den katastrophalen Leistungen kann ich mich nur wiederholen: Entweder passieren ein, zwei dumme Fehler Einzelner oder das komplette Team verteidigt ein-, zweimal schlecht und fällt dann auseinander.

Leistungsträger unersetzlich


Ist der Kader für die Verbandsliga vielleicht nicht stark genug besetzt?
Osterhold: Wir haben relativ viele junge Spieler, und sie dürfen natürlich auch noch Fehler machen. Das Problem ist: Wenn zwei, drei Leistungsträger ausfallen, haben wir nicht die Breite im Kader, um sie zu ersetzen. Jonas Will und Alex Moor zum Beispiel fehlen an allen Ecken und Kanten. Dann war Jan Schwechel öfter verletzt, zuletzt Marcel Bangert – das können wir nicht verkraften. Die vielen Verletzungen spielen eine große Rolle bei unserer Situation.

Sie haben in der vergangenen Saison als Co. von Jörg Büchse das Trainergeschäft kennengelernt. Hat das Ihren Blick auf die Mannschaft verändert?
Osterhold: Eigentlich nicht. Es war eine schöne Erfahrung, und ich kann mir vorstellen, später mal Trainer zu machen; Spielertrainer allerdings nicht, davon bin ich kein Freund. Zurzeit macht Fußball als Spieler aber mehr Spaß.

Wie sehen Sie, auch mit diesen Erfahrungen, die Arbeit von Chef-Coach Jörg Büchse?
Osterhold: Man kann ihm nichts vorwerfen. Er hat einen guten Draht zur Mannschaft, macht gutes Training. Er ist der Erste, der am Boden zerstört ist, und er probiert alles, was in seiner Macht steht.

Die Liga hat immer noch großen Respekt vor Christoph Osterhold, nicht nur wegen der bisher 22 Tore. Wie sehen Sie selbst Ihre Leistung?
Osterhold: In der Hinrunde war ich ziemlich zufrieden. In der Vorbereitung auf die Rückrunde war ich dann mit Muskelfasseriss und dauernden Fußproblemen leider gehandicapt, und das merkt man immer noch: Ich werde ja auch nicht jünger. Bei hundert Prozent bin ich noch nicht.

In der vergangenen Saison schien nach einem Kreuzbandriss das Ende Ihrer Laufbahn nahe. Danach sieht es nicht mehr aus?
Osterhold: Nein, ich werde immer fitter und fühle mich ganz gut. Stand jetzt, würde ich davon ausgehen, dass ich auch nächste Saison spiele.

Eine gute Seite des Abstiegs


Was würde ein Abstieg für die Mannschaft bedeuten? Auf ein Neues, wie in der Saison 2014/15?
Osterhold: Für nächstes Jahr hat meines Wissens noch kein Spieler abgesagt. Es geht eher darum, ob Henner (Christophs Bruder Jan-Hendrik), Matze Rösner und ich noch weiterspielen – danach sieht es im Moment aus. Die anderen sollten auch bleiben. Vielleicht wäre es gar nicht mal so schlecht, wenn die jungen Spieler in einer Liga tiefer noch mehr Erfahrung sammeln könnten. Ein Jahr Gruppenliga bringt da vielleicht mehr als ein Jahr Verbandsliga, man weiß es nicht. Aber noch ist es nicht so weit.

Von einem Abstieg der ersten Mannschaft würde die Reserve in Mitleidenschaft gezogen: Sie wäre automatisch erster Absteiger aus der Gruppenliga.
Osterhold: Ja, leider. Bei ihr habe ich ein gutes Gefühl, dass sie den Klassenerhalt schafft.

Ist das für die Spieler untereinander ein Thema? Gibt es Vorwürfe?
Osterhold: Nein, es wird eher gewitzelt (lacht) – von wegen Hashtag Zwangsabstieg und so.

Ein Wort zum kommenden Gegner Melsunger FV: Ist der zu schlagen?
Osterhold: Wir haben jetzt sowieso nur noch Endspiele. Der Gegner scheint in der Rückrunde Probleme zu haben, mit Leidenschaft und vollem Einsatz müssen wir die drei Punkte holen.

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Die Waldeckische Landeszeitung ist die Heimatzeitung des TSV/FC Korbach und unterstützt den Verein seit vielen Jahren u. a. mit redaktionellen Beiträgen und Spielberichten. Redakteure: Gerhard Menkel, Manfred Niemeier, Armin Hennig u.a.

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